Religionsphilosophie (by Professor Hans Leisegang)

Von allen bisher behandelten Disziplinen der auf einzelne Gegenstände und Wissenschaften angewandten Philosophie unterscheidet sich die Religionsphilosophie dadurch, daß die Religion nicht in derselben Weise Gegenstand philosophischer Forschung werden kann wie die Mathematik, die Natur, die Kultur, die Geschichte oder das Recht mit Einbeziehung der einzelnen Wissenschaften, die von ihnen handeln, und ihrer Methoden. Es gibt eine Religionsgeschichte, eine die Religionen miteinander vergleichende Roligionswissenschaft, eine Phänomenologie der Religion, durch die das Wesen aller zur Religion gehörenden Phänomene wie der Glaube, die Offenbarung, das Gebet, der Kultus, das Dogma geklärt und heraus-gearbeitet wird, eine Religionspsychologie und eine Religions-soziologie. In diesen Wissenschaften werden die Religionen als Bestandteile der Kulturen betrachtet, in denen sie auftreten und die durch sie in ihrer Gestaltung und Entwicklung weithin bestimmt wurden. Werden aber darüber hinaus die philosophischen Fragen nach dem Wesen, dem Sinn und der Wahrheit der Religion gestellt, die in einer Religionsphiloso­phie zu beantworten sind, so stößt die philosophische For­schung dabei auf einen Widerstand, der im Wesen der Religion selbst liegt. Der religiose Mensch wehrt sich kraft der Ergriffenheit durch seine Religion gegen die philosophische Ana­lyse der ihm zuteil gewordenen Offenbarung, gegen die Profanierung des Heiligen durch die Weisheit dieser Welt, gegen die Unterwerfung der geoffenbarten Religion und ihrer übernatürlichen Wahrheit unter die Kritik der natürlichen Vernunft. Dies gilt besonders von der christlichen Religion, und von ihren Theologen wird erklärt, daß der christliche Glaube etwas grundsätzlich anderes ist als jede Philosophie. Während der Philosoph den Zusammenhang aller Dinge und Vorgänge in dieser Welt durch seine Vernunft und die wissenschaftliche  Forschung zu finden und zu ergründen versucht, besteht christlicher Glaube in der Erkenntnis der Durchbrechung dieses Zusammenhangs durch die Offenbarung. Beachtet der Philosoph den Offenbarungsanspruch nicht, so sieht er an dem Wesen der Religion vorbei und verfehlt den Gegenstand, von dem der Religionsphilosoph handeln soll. Erkennt er aber die Offenbarung als Voraussetzung alles religiösen Glaubens und Denkens an, so ist er nicht mehr Philosoph, sondern er wird zum Theologen, der alle seine Aussagen über die Wahrheit des Glaubensinhalts, das Wesen Gottes und des Menschen und den Sinn der Welt und Menschheitsgeschichte von der Weltschöpfung bis zum Weltuntergang von dieser Voraussetzung herleitet.

Aus diesem merkwürdigen Sachverhalt ergeben sich folgende Möglichkeiten, die Philosophie zur Religion, besonders zur christlichen Religion, in eine Beziehung zu bringen, aus der eine Religionsphilosophie hervorgehen kann:

Der Offenbarungsanspruch der Religion wird anerkannt. Dann tritt das Problem der doppelten Wahrheit auf, einer Wahrheit, zu der die menschliche Vernunft von sich aus gelangt, und einer Wahrheit, die der keiner menschlichen Ver­nunft zugänglichen  göttlichen  Offenbarung zukommt. Beide können sich widersprechen. Das Problem wird durch die katholischen Religionsphilosophen im Anschluß an die Lehren des Thomas von Aquin dadurch gelöst, daß eine doppelte Wahrheit hinsichtlich ihres Ursprungs anerkannt wird, aber nicht in Hinsicht auf ihren  Inhalt. Denn eine Wahrheit kann dem Menschen auf zweifache Weise mitgeteilt werden, durch die natürliche Vernunfterkenntnis oder durch die göttliche Offenbarung. Der Inhalt aller Wahrheit aber ist nur einer; denn er geht aus Gott  selbst hervor, der die Quelle aller Wahr-heiten, der natürlichen wie der geoffenbarten ist. Beide können  sich nicht widersprechen, wenn die menschliche Vernunft richtig denkt. Es ist ihr möglich, ohne  Mithilfe der Offenbarung bis zur Erkenntnis des Daseins Gottes, zum Beweise dieses Daseins und zur Deduktion der Eigenschaften Gottes vorzudringen. Darüber hinaus aber gibt es die eigentlichen Offen-barungswahrheiten, die der menschlichen Vernunft  aus ihren eigenen Prinzipien heraus nicht zugänglich sind. Sie sind  übervernünftig, aber nicht widervernünftig, und die Vernunft kann sie nur dann begreifen, wenn sie das Prinzip der Offen­barung als  solches durch den Glauben anerkannt hat.

Der Offenbarungsanspruch einer Religion hat aber nur dann für den Menschen eine Bedeutung, wenn der Inhalt der Offenbarung und alles, was auf Grund der Offenbarung als wahr anzuerkennendes Dogma, als Mythos, als Ritus und Kultus in einer positiven Religion in die Wirklichkeit tritt, verstanden, erlebt und innerlich angeeignet werden kann, und wo es sieh um den Glauben handelt, muß das, was geglaubt werden soll, auch glaubwürdig sein. Ist diese Bedingung nicht oder nur zum Teil erfüllt, so erwächst der Religions­philosophie die Aufgabe, in der gegenwärtigen noch vorhandenen Religion mit  allen ihren überlieferten heiligen Schriften, Dogmen, Mythen und Riten das Erstorbene, offensichtlich Unglaubwürdige und nicht mehr  Erlebbare als solches zu kennzeichen und aus ihr das herauszuheben, was in der zeitgebundenen   Hülle als geoffenbarte zeitlos gültige Wahrheit erlebt und verstanden werden kann. Dies wird erreicht durch die Auslegung der heiligen Texte mit Hilfe der Unterscheidung eines mehrfachen Schriftsinns, des buchstäblichen, des moralischen, des mystisehen, symbolischen  oder allegorischen und heute auch des tiefenpsychologisehen und existenziellen.

Wird der Offenbarungsanspruch der Religion nicht aner­kannt und hält der Philosoph daran fest, daß in dieser Welt alles natürlich zugeht und zugegangen ist und daß  der natürliche Zusammenhang  aller  Dinge durch keine übernatürliche Macht durchbrochen werden kann, so ist eine Religions­philosophie nur mit den Kräften der natürlichen  Vernunft als natürliche  Religion zu begründen. Dieser Weg wurde schon von den griechischen Philosophen und dann im Zeitalter der Aufklärung von neuem beschritten, und die Begründung einer natürlichen Religion wurde in Kants klassischem Werk über ,,Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft”  auf die strengste und radikalste Weise durehgeführt.  Es handelt sich dabei nicht mehr um eine positive Religion, sondern um die Konstruktion einer idealen Religion aus den Prinzipien des philosophischen Systems.

Damit treffen wir auf die Religionsphilosophie, wie sie von den meisten Philosophen von der Antike bis in die Gegenwart hinein verstanden wurde. Nicht eine geschichtlich gegebene Religion, sondern die Religion als solche wird aus dem philosophischen System und der ganzen Weltanschauung des Philosophen heraus entwickelt, soweit es ein solches System überhaupt zulüBt, so daß  die verschiedenen  philo­sophischen Systeme und Weltanschauungen auch zu ver­schiedenen typischen philosophisch begründbaren Lehren führen, die durch die in ihnen auftretenden Gottesbegriffe als Theismus, Deismus, Pantheismus, Panentheismus und spe-kulative Mystik gekennzeichnet werden. Unter Theismus wird dabei eine Religionsphilosophie verstanden, in der Gott als Persönlichkeit gedacht wird, als Schöpfer und Erhalter der Welt, unter Deismus die Lehre, nach der Gott die Welt zwar geschaHen hat, sie aber nach der Schopfung den von ihm und mit ihr geschaffenen Naturgesetzen überläßt, so daß in ihr keine Wunder geschehen können, die ein Durchbrechen des Naturzusammenhangs bedeuten. Mit dem Worte Pantheismus  wird  die Weltanschauung bezeichnet, nach der die Welt selbst die sich in ihr und durch sie entwickelnde Gottheit ist, die in ihrem höchstorganisierten Geschöpf, dem Menschen, sich ihrer selbst bewußt  wird, während  mit dem Worte Panenthe­ismus ausgedrückt werden soll, daß das All in Gott ruht und in ihm lebt. Unter spekulativer Mystik ist im Unterschied  von der ekstatischen die vernünftig  begründete  Mystik zu verstehen, die überall da auftritt, wo der Mensch nicht nur als das Subjekt der Welt als dem Objekt gegenübersteht, sondern diese Spaltung in ein Subjekt und ein Objekt dadurch aufgehoben wird, daß der Mensch sich selbst als einen Teil der Welt begreift, so daß der Gott, der in allen Kreaturen als das Leben und die Seele der Welt lebt und ständig schafft, sich auch im Menschen als sein besseres Ich, als die Stimme seines Gewissens, als das Ewige im Menschen offenbart.

In der neuesten Religionsphilosophie wird im Anschluß an Kierkegaard der Versuch unternommen, das Religiöse aus dem Wesen des Menschen, aus seiner ,,Existenz” hervorgehen zu lassen, was nur aus der Existenzphilosophie heraus und der mit ihr verbundenen philosophischen Anthropologie verstan­den werden kann.

4 răspunsuri la Religionsphilosophie (by Professor Hans Leisegang)

  1. dardala spune:

    Tema filosofiei religiei a fost foarte frumos abordată de Nae Ionescu, care a fost şi ortodox, şi a şi scris româneşte. Care-i sensul să publicaţi scrieri neortodoxe atîta timp cît există abordări ale aceloraşi teme în duh ortodox?

  2. Andrei spune:

    Eu vad cel putin 3 ratiuni a unei astfel de abordari:
    1. Crearea unui spatiu de reflectie colectiva, eterogena, a carui coordonate sa apeleze la calitatea general-umana de a medita, fara a se circumscrie din start in limitele unei conceptii anume.
    2. Obisnuirea cititorului cu noi moduri de a ne pune probleme, din respect pentru actul cognitiv.
    3. Dezvoltarea spiritului critic (trasatura definitorie a omului),dar nu in sensul unei excluderi, stigmatizari si negari reciproce a celor care gandesc „altfel” ci in speranta apropierii lor. In privinta lui Nae Ionescu privitor la acesta tema cred ca ai spus bine „frumos abordata” nu neaparat si ortodox(Nae Ionescu va aparea mai tarziu pe paginile blogului nostru inclusiv cu acesta tematica).Imi cer scuze, pentru prezentarea in „scris ne-romanesc” al acestui articol,dar nu am gasit traduceri in romaneste ale acestui autor. Voi incerca data viitoare sa traduc eu articolele care le voi publica in alte limbi(evident cu riscurile de rigoare:)).
    Alles gute!

  3. dardala spune:

    1. De unde şi pînă unde reflecţiile unui protestant/catolic (sau ce-o fi el) reprezintă un spaţiu de meditaţie eterogenă, general-umană şi lipsită de limitele unei anume concepţii?
    2. Vechile moduri de a pune problema care ar fi? Pe blogul acesta altele nu am găsit.
    3. Nu există cei care gîndesc „altfel”, există cei care gîndesc conform Adevărului şi cei care gîndesc contrar Adevărului, care este unul singur, şi ce nu este conform lui este minciună. Respectiv, ce fel de apropiere poate exista între Adevăr şi minciună?

    Sînt foarte curios să aflu de ce abordarea lui Nae Ionescu nu este ortodoxă.

  4. Andrei spune:

    Prin structura si prin educatie Leisegang este mai intai de toate un filosof(e suficient sa-i citesti articolul ca sa-ti dai seama).Curiozitatea dvs. insa in ceea ce priveste traiectoria reflexiva a lui Nae Ionescu sper sa fie satisfacuta saptamana viitoare cand voi publica un articol despre el intitulat „‘Cauzalitatea simbolica’la Nae Ionescu”.

Lasă un răspuns

Completează mai jos detaliile despre tine sau dă clic pe un icon pentru autentificare:

Logo WordPress.com

Comentezi folosind contul tău WordPress.com. Dezautentificare / Schimbă )

Poză Twitter

Comentezi folosind contul tău Twitter. Dezautentificare / Schimbă )

Fotografie Facebook

Comentezi folosind contul tău Facebook. Dezautentificare / Schimbă )

Fotografie Google+

Comentezi folosind contul tău Google+. Dezautentificare / Schimbă )

Conectare la %s

%d blogeri au apreciat asta: